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Ich erinnere mich,..

»Ich erinnere mich deutlich an das,
was morgen geschehen wird.«

 

tract I: Die Zeit gibt es nicht!
                                                                                                                                
(Der Blaue Reiter, Nr. 5; S. 8)

    Kommentar: Wenn die Geschwindigkeit keinesfalls ein »Phänomen« ist, sondern lediglich das Verhältnis zwischen den Phänomenen (die Relativität selbst), dann könnten wir, Bernard von Clairvaux paraphrasierend, unsererseits tatsächlich erklären: »Das Licht nennt sich Schatten der absoluten Geschwindigkeit«, oder genauer: Die Lichtgeschwindigkeit der Strahlen (geometrische Optik) nennt sich Schatten der Geschwindigkeit der elektromagnetischen Wellen (Wellenoptik).
                                                                                                                                             (Paul Virilio, Rasender Stillstand, S. 83)

 

tract II:  »Ich erinnere mich deutlich an das, was morgen geschehen wird.«
                                                                                                                
(Ludwig Wittgenstein, Blaues Buch; S. 159)

    Kommentar: Denn in der Grammatik der Zukunft tritt der Begriff des >Gedächtnisses< nicht auf, auch nicht >mit umgekehrten Vorzeichen<. Vielleicht wird man sagen: »Was hat das mit der Grammatik zu tun? Wir erinnern uns eben nicht an die Zukunft!« Nun das kommt darauf an, wie man das Wort erinnern gebraucht. ... Denn wenn Du Dich erinnernd und voraussagend denkst, wirst Du sehen, dass daran etwas Wahres ist.
                                                                                                                                       (Ludwig Wittgenstein, Blaues Buch; S. 159)

 

tract III: Nutze die Zeit!
 Nutze die Zeit!
  Aber was ist die Zeit, damit ich sie nutzen könnte?
 ...
 Nutze die Zeit!
 Ah, laßt mich gar nichts nutzen!
  Weder Zeit noch Sein noch die Erinnerung an Zeit oder Sein!..
                                                                                                                                                                
(Fernando Pessoa: Randnotiz)

    Kommentar: Nulla dies sine linea...
      Die ehrliche, schöpferische Arbeit...
     Die Arbeit à la Vergil oder à la Milton...
     Aber es ist so schwierig, schöpferisch oder ehrlich zu sein!
     So wenig wahrscheinlich, daß man ein Milton oder Vergil ist!
                                                                                                                                                           (Fernando Pessoa: Randnotiz)

 

tract IV: Und tatsächlich ist es die Grammatik des Wortes »Zeit«, die uns verwirrt.
                                                                                                                 
(Ludwig Wittgenstein, Blaues Buch; S. 49)

    Kommentar: Nimm als Beispiel die Frage »Was ist Zeit?«, wie Augustinus und andere sie oft gestellt haben. Dies ist auf den ersten Blick eine Frage nach einer Definition, doch dann stellt sich sofort die Frage: »Was würden wir mit einer Definition gewinnen, da sie uns doch nur zu weiteren undefinierten Begriffen führen kann?« Und warum soll man sich nur durch das Fehlen einer Definition von »Zeit« verwirren lassen, und nicht zum Beispiel durch das Fehlen einer Definition von »Stuhl«? Warum sollen wir uns nicht in jedem Fall, wenn uns eine Definition fehlt, verwirren lassen? Eine Definition klärt oft die Grammatik eines Wortes.
                                                                                                                                         (Ludwig Wittgenstein, Blaues Buch; S. 49)

 

tract V: 6.4311 ...Wenn man unter Ewigkeit nicht unendliche Zeitdauer, sondern Unzeitlichkeit versteht, dann lebt der ewig, der in der Gegenwart lebt. Unser Leben ist ebenso endlos, wie unser Gesichtsfeld grenzenlos ist.
                                                                                                                    
(Ludwig Wittgenstein, Tractatus; S. 113)

    Kommentar: Antwort: In den drei Existenzen, in der vergangenen, der gegenwärtigen und der zukünftigen Existenz, gibt es nichts, das nicht Zen-Geist hat.
                                                                                                                                                                                                                                            (
    Hitori Mondo)

 

tract VI: 6.4312 .... Die Lösung des Rätsels des Lebens in Raum und Zeit liegt außerhalb von Raum und Zeit.
                                                                                                                    
(Ludwig Wittgenstein, Tractatus; S. 113)

    Kommentar: ...daß es die Andeutung höher wertet als lückenlose Klarheit. Es bevorzugt den Ausschnitt vor dem ganzen Bild, die Skizze vor dem ausgeführten Gemälde. Nach diesem Ideal ist es Aufgabe der Kunst, die Aussage und die Form mit einem Schleier von Unbestimmtheit zu verhüllen und so mit der Aura des Dunklen und Geheimnisvollen zu umgeben.
                                                                                                          (Andreas Gutzwiller, Die Shakuhachi der Kinko - Schule S. 149)

 

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