6.44 Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist.
The Wittgenstein – Project
Unter dem Titel: “6.44 Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß
sie ist - The Wittgenstein – Project” wird vom 2. Februar bis zum 23. November 2003 ein Projekt in sieben Teilen veranstaltet, in dem der Mensch als reflektierendes Wesen in den Mittelpunkt gestellt wird. Im Spannungsbereich zwischen der abstrakten und analytischen Denkweise Wittgensteins und der Emotionalität von Musik steht der Mensch als wahrnehmendes und reflektierendes Wesen. Da Wittgenstein trotz seiner rationalen Denkweise Platz läßt für das, was nicht ausgesprochen werden kann, liegt die Verknüpfung mit einer Musik, die ihren emotionalen Gehalt innerhalb eines abstrakten (weil komponierten) Gerüsts ausbreitet, nahe. Dieser Ergänzung und Wechselwirkung nachzuspüren und sichtbar (besser: hörbar) zu machen, ist die Initialzündung dieser Projektreihe.
Im ersten Projektteil am Sonntag, den 2. Februar 2003 steht die sinnliche Wahrnehmung im Mittelpunkt. In “Ephata – öffne die Sinne” werden Werke für fünf Wasserwannen einer Solo – Flöte und einem
Solo – Sopran gegenübergestellt. Die Kompositionen werden teilweise sowohl sukzessiv als auch simultan aufgeführt. Durch das Hinzuziehen einer Sprecherin als verbindendes Glied können in einem großen akustisch
tragenden Raum neue Wahrnehmungsebenen erfahrbar gemacht werden. Am zweiten Abend, Sonntag, den 6. April 2003 steht das Dazwischen im Mittelpunkt. Es geht um das, was zwischen uns Menschen und dem,
was außerhalb von uns sein kann. In seinem Symposion verwendet der griechische Philosoph Platon den Begriff “metaxy” (gesprochen: metaxü), um das Wesen des Eros zu beschreiben, der eine Mittelstellung einnimmt
zwischen “Schön und Hässlich”, Gut und Böse”, “Gott und Mensch”. Idee des Konzertes ist es nun, dieses “Dazwischen” musikalisch fassbar zu machen – zwischen Leben und Tod, Klang und Nicht – Klang: Was geschieht
zwischen diesen beiden Grenzbereichen? Das Programm ist so zusammengestellt, dass “Neue” und “Alte” Musik unmittelbar aufeinandertreffen: Neue Kompositionen (darunter eine Uraufführung) von Detlef Dörner, Antje
Langkafel und Giacinto Scelsi lassen die “Fiori musicali” Frescobaldis von 1635 auf ungewohnte Weise hörbar werden. Im dritten Teil steht das Prozeßhafte im Zentrum des Geschehens. Ein Prozeß ist
irreversibel, ihm liegt eine Entwicklung inne. Erreicht wird dies aber oft durch Reversibilität, durch das ständige Wiederholen gleicher oder ähnlicher Handlungen. Was passiert wenn so ein Weg abrupt unterbrochen
wird, was passiert, wenn die gewohnten Pfade unvermittelt nicht mehr existieren, wie geht es einem Menschen, dem etwas Undenkbares passiert, wie verhält er sich? Der vierte Abschnitt ist als
Klanginstallation geplant, die sich den ganzen Sommer im Raum befinden soll und während ihres Daseins ständig weiterentwickelt. Im fünften Projektteil wird das Dazwischen nicht in seiner
Vertikalität, wie im zweiten Konzert, sondern in seiner horizontalen Form beleuchtet. Die Zeit zwischen Barock und der Aufklärung scheint aktueller zu sein denn je. Auch unser Kunstverständnis zeitigt Auswüchse, die
eine augenblickliche Position zwischen verschiedenen Zentren vermuten läßt. C.Ph.E. Bach und Klopstock stehen für diese Aufbruchstimmung. Im sechsten Teil, der “Nacht der offen Kirchen” werden in einer Nacht alle
Ideen der anderen sechs Projektteile sukzessiv und simultan aufgeführt werden. Den Abschluß bildet ein Vorbild der Symbiose von abstraktem Denken und emotionalem Handeln mit der Aufführung des
“Musikalischen Opfers” von J.S. Bach. Die immerwährende Aktualität dieses Werkes manifestiert sich unter anderem in der zusätzlichen Aufführung von Anton Weberns Bearbeitung des Ricercars aus diesem Zyklus. So wird
die Sichtweise aus einer anderen Zeit auf eine Komposition aus einer noch davorliegenden Zeit in unserer Zeit erlebbar.
Sonntag, den 2. Februar 2003, 18.00 Uhr, St. Josef1. Die Welt ist alles, was der Fall ist.
“Ephata” “Ephata” – mit welchen Sinnen nimmt der Mensch sich und seine Umwelt wahr?
Was entsteht, wenn Wittgensteins Thesen mit Musik konfrontiert werden? Eine Begegnung zwischen Kompositionen, Ausführenden und Zuhörern mit Werken von Kassia, Cage, Jolivet, Wittgenstein, Dörner...
ensemble aequinox Dorothea Rieger, Sopran Antje Langkafel, Flöte
Annegret Müller, Ines Molfenter, Jeanette Zippel und Christiane Hochstadt, Rezitation Schlagzeugsolisten
Sonntag, den 6. April 2003, 19.00 Uhr, St. Josef
2. Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sachverhalten. “Metaxy”
Sonntag, den 11. Mai 2003, 19.00 Uhr, St. Josef3. Das logische Bild der Tatsachen ist der Gedanke. “Et valde mane”
“Et valde mane” – was geschieht, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert Wie gehen wir mit dem Prozeßhaften unseres Geschehens um.
Eine Begegnung zwischen Kompositionen, Ausführenden und Zuhörern mit Werken von Schütz, Wittgenstein und Dörner... Ausführende: Mechthild Alber, Regine Bojak, Cornelia Karle, Sopran,
Schlagzeugsolisten
den ganzen Sommer 2003, St. Josef4. Der Gedanke ist der sinnvolle Satz.
“Klanginstallation”
Sonntag, den 21. September 2003, 19.00 Uhr, St. Josef5. Der Satz ist eine Wahrheitsfunktion der
Elementarsätze. (der Elementarsatz ist eine Wahrheitsfunktion seiner selbst.) “Zwischen den Zeiten- Musik vor der Aufklärung”
C. Ph. E. Bach und Klopstock und seine Zeit
Ausführende: Antje Langkafel, Flöte Hildegund Treiber, Cembalo
Freitag, den 26. September 2003, ab 20.00 Uhr, St. Josef
6. Die allgemeine Form der Wahrheitsfunktion ist: (p, x N (x)). Das ist die
allgemeine Form des Satzes. “Nacht der offenen Kirchen”
Sonntag, 23. November 2003, 18.00 Uhr, St. Josef7. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.
“Musikalisches Opfer”
|
|